Sonntag, 05.07.2020
13.02.2020
   
Kfz-Gewerbe zieht Jahresbilanz
ZDK Jahrespressekonferenz 2020
 

ZDK-Vorstandsmitglied Dirk Weddigen von Knapp, Präsident Jürgen Karpinski und Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk (v.l.) am Mittwoch in Berlin.

Steigender Umsatz, stagnierende Rendite

Das Deutsche Kfz-Gewerbe (ZDK) blickt mit gemischten Gefühlen auf das Autojahr 2019 zurück. Zwar legte der Gesamtumsatz der Autohäuser und Werktstätten um vier Prozent auf rund 186 Milliarden Euro zu, die Rendite verharrte aber bei 1,3 Prozent im vorläufigen Durchschnitt. "Bei den Ertragserwartungen sind wir ja seit einigen Jahren sehr bescheiden geworden", konstatierte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski am Mittwoch in Berlin. Von der aus Verbandssicht notwendigen 3 vor dem Komma sind sei man nach wie vor deutlich entfernt.

Karpinski betonte: "Die Anforderungen der Hersteller und Importeure an die Autohäuser steigen nicht zuletzt aufgrund der Transformation hin zur Elektromobilität." Druck auf die Erträge habe es außerdem wegen des gesunkenen Serviceumsatzes sowie des leichten Rückgangs bei den privaten Neuzulassungen gegeben.

Der oberste Branchenvertreter stellte klar, dass der Neuwagen-Boom 2019 mit 3,6 Millionen Einheiten und einem Wachstum von fünf Prozent nur auf den ersten Blick positiv sei. Viele Hersteller und Importeure häten ihre Händler insbesondere zum Jahresende gedrängt, wegen der Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte zahlreiche Tageszulassungen vorzunehmen. "Insofern schleppt der Handel einen Teil dieses Wachstums als zusätzliche Last mit in dieses Jahr", so Karpinski. Diese Tendenz drohe sich auch im neuen Jahr fortzusetzen.

Laut ZDK erwirtschaftete die Branche 2019 mit neuen Pkw rund 73,4 Milliarden Euro – 10,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Verantwortlich dafür sei in erster Linie der um 7,9 Prozent gestiegene durchschnittliche Neuwagenpreis (33.580 Euro), hieß es.

Gebrauchtwagen: Markenhandel verliert an Boden

Bei gebrauchten Pkw musste der Markenhandel im vergangenen Jahr Einbußen hinnehmen: Rund 54,5 Milliarden Euro bedeuten ein Minus von 4,8 Prozent. Hauptgrund: Der Marktanteil der Vertragsbetriebe schrumpfte von 51 auf 46 Prozent. Dagegen konnte der freie Handel seinen Anteil um fünf Punkte auf 21 Prozent ausbauen. Unter dem Strich gab es nach dem Einbruch 2018 im vergangenen Jahr einem Umsatzsprung von knapp 63 Prozent auf rund 14,8 Milliarden Euro. Das lag auch an dem um 24 Prozent höheren Durchschnittspreis (9.780 Euro) der über diesen Vertriebsweg gehandelten GW.

Weniger Wartungs- und Reparaturaufträge

Kräftige Umsatzverluste meldete der ZDK bei Wartungs- und Reparaturaufträgen. So sackten die Erlöse um knapp elf Prozent auf rund 30 Milliarden Euro ab. Die Reparaturhäufigkeit sei seit Jahren rückläufig, so der Verband. Hinzu sei eine im vergangenen Jahr niedrigere Wartungshäufigkeit gekommen. Außerdem sei die durchschnittliche Schadensumme bei den in 2019 angefallenen Unfallschäden deutlich gesunken.

Konzentration setzt sich fort

Im Sinkflug war auch die Anzahl der Betriebe in der Branche: um 150 Firmen bzw. 0,4 Prozent. Aktuell weist der ZDK 36.600 Kfz-Untenrehmen in Deutschland aus, davon sind 15.030 fabrikatsgebunden und 21.570 frei. Bei den Markenbetrieben gab es 170 Firmen weniger (minus 1,1 Prozent), entsprechend im freien Sektor 20 Firmen mehr. Erfasst sind dieser Statistik alle organisationsfähigen Betriebe ab einer jährlichen Umsatzgröße von 100.000 Euro aufwärts. Die Anzahl der Mitarbeiter schrumpfte um 0,5 Prozent auf 439.000.

Kampf um den Nachwuchs

Die positive Tendenz mit steigenden Ausbildungsverträgen konnte sich im vergangene Jahr nicht fortsetzen. Autohäuser und Werkstätten schlossen 2019 mit 22.800 jungen Menschen Ausbildungsverträge zum Kfz-Mechatroniker ab, das waren 2,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Im Ausbildungsberuf Automobilkaufmann/-frau wurden wenig mehr als 5.300 Nachwuchskräfte eingestellt (minus 2,4 Prozent in 2018). Insgesamt bildet das Kfz-Gewerbe 92.950 junge Menschen in technischen und kaufmännischen Berufen aus. Das sind im Vergleich zu 2018 0,4 Prozent weniger.

Wirkung des Tempolimits wird überschätzt

Mit Blick auf die aktuelle Tempolimit-Debatte sprach sich Karpinski gegen eine generelle Gewschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen aus. "Die reale Durchschnittsgeschwindigkeit liegt dort nach wissenschaftlicher Begutachtung bei 117 km/h", so der ZDK-Präsident. Stattdessen könne eine dynamische Verkehrssteuerung den Verkehrsfluss unterstützen. Das CO2-Einsparpotenzial werde überschätzt. Studien würden dabei von einer Größenordnung von knapp zwei Prozent der Emissionen des Pkw-Verkehrs ausgehen. Gemessen am gesamten CO2-Ausstoß liege dieser Anteil bei lediglich 0,3 Prozent. (tm/rp)


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