Samstag, 19.09.2020
26.08.2020
   
DAT-Barometer
 

Im Schnitt brauchen Händler derzeit 95 Tage, um gebrauchte Diesel und Benziner zu verkaufen.

GW-Markt im Aufwind

Nie gab es in den vergangenen zehn Jahren einen Juli, in dem mehr gebrauchte Autos gekauft wurden. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) in ihrem aktuellen DAT-Barometer. Mit insgesamt 747.831 Besitzumschreibungen stieg die Nachfrage den nunmehr dritten Monat in Folge an. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im Juli ebenfalls zum dritten Mal hintereinander – auf 314.938 Fahrzeuge. In der Summe fehlen dem Neuwagenmarkt damit noch 30,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Januar bis Juli), dem Gebrauchtwagenmarkt im gleichen Zeitraum noch 7,6 Prozent.

"Während des Lockdowns war unklar, wie sich der Automarkt im weiteren Jahresverlauf entwickeln würde. Nun sieht man, dass besonders die Nachfrage nach Gebrauchtwagen sehr stark gestiegen ist. Der Neuwagenmarkt kommt dagegen langsamer in Fahrt, profitiert aber von Prämien, Nachlässen und niedrigen Leasingraten", kommentiert Martin Endlein, Leiter der DAT-Unternehmenskommunikation.

Die Analyse der DAT ergab darüber hinaus:

  • Die GW-Standzeiten sinken: Im Schnitt brauchen Händler derzeit 95 Tage, um gebrauchte Diesel und Benziner zu verkaufen. Das ist deutlich schneller als kurz nach dem Lockdown (im Schnitt 103 Tage) aber immer noch deutlich langsamer als im letzten Quartal des Vorjahres (zwischen 85 und 90 Tagen).
  • Die Fahrzeugwerte bleiben stabil: Die DAT vergleicht für das Barometer die Nettoverkaufspreise dreijähriger Fahrzeuge und setzt diese in Bezug zum ehemaligen Nettolistenneupreis. Dabei erreichen Benziner aktuell 56,3 Prozent und Diesel 52,2 Prozent. Im Vormonat lag dieser Wert bei 54,9 beziehungsweise 50,9 Prozent. Die Steigerung ist eine Auswirkung der Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent. Dadurch steigen die Nettowerte an, da die Händler in vielen Fällen die Fahrzeuge zum bisherigen Bruttoverkaufswert verkaufen konnten. Der Sprung zwischen Dezember und Januar ist dadurch begründet, dass während eines Kalenderjahres immer drei Jahre alte Fahrzeuge betrachtet werden. Im neuen Kalenderjahr werden "neue" dreijährige Pkw analysiert. Fahrzeuge, die nicht mehr als dreijährige Gebrauchte erhältlich sind, fallen aus der Betrachtung heraus.
  • Sowohl alte als auch neue Diesel sind gefragt: Ein Drittel aller im Juli 2020 gehandelten Gebrauchtwagen war mit einem Dieselmotor ausgestattet. Zwischenzeitlich entsprach gut die Hälfte davon der Euro-6-Norm. Aber auch ältere Pkw der Euro-Normen 1 bis 4 erfreuten sich immer noch reger Nachfrage (Anteil 29 Prozent), während Euro 5-Diesel zunehmend weniger vertreten sind (Anteil 22 Prozent).
  • Zwei Drittel aller Pkw in Deutschland sind Benziner: Eine Analyse der rund 47 Millionen Pkw, die zum Stichtag 1. Januar 2020 in Deutschland registriert waren, zeigt nach wie vor eine ähnliche Verteilung wie in den vergangenen Jahren. Rund zwei Drittel sind Benziner, knapp ein Drittel sind Diesel. Sämtliche alternativen Antriebe zusammen (Gas, batterieelektrische Fahrzeuge, Mildhybride, Hybride, Plug-In-Hybride, Wasserstoff-Pkw) kommen auf 2,4 Prozent.
  • Euro-6-Norm setzt sich weiter durch: Im Jahr 2014 waren 74 Prozent aller Pkw mit Motoren der Euro-Norm 4 und kleiner ausgestattet. Mittlerweile sind es nur noch 42 Prozent. Seit Einführung der Euro-6-Norm ist deren Anteil stark gestiegen und macht zwischenzeitlich etwa ein Drittel des gesamten Bestandes aus – angesichts von rund 47 Millionen Pkw eine beachtliche Entwicklung. Der Fahrzeugbestand insgesamt ist seit 2014 um 3,865 Millionen Pkw gewachsen.
  • Alt sind vor allem die Benziner: In der Analyse, wie sich die Emissionsklassen auf die jeweiligen Antriebsarten (Diesel, Benziner etc.) aller 47 Millionen Pkw verteilen, wird deutlich, dass mit über 14 Millionen Pkw insbesondere die Benziner sehr häufig noch mit Motoren der Emissionsart 1-4 ausgestattet sind. Die Zahl der Diesel dieser Emissionsklassen beläuft sich hingegen auf 4,3 Millionen Einheiten. Bei der Einzelbetrachtung aller Hybrid- und Elektro-Pkw dominiert die Euro-6-Norm. In dieser Emissionsklasse sind drei Viertel aller Hybride und Mildhybride anzutreffen. Dagegen werden beim Kraftfahrt-Bundesamt die rein batteriebetrieben Pkw (Elektrofahrzeuge) in die Emissionsklasse "Sonstige" verortet. (aw)

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