Sonntag, 02.12.2018
01.02.2008
   
 

Qualitätsminimierung – oder die Kunst des Weglassens.

Aus GW-trends Juli/August 2007

Viele Kunden entscheiden sich ja nur noch für eine Leistung über den Preis – und treffen nicht mehr, wie früher, eine Entscheidung für eine Leistung.

Heute frage ich mich, wer die größere Schuld an dieser Misere hat: der Kunde – so lässt man uns glauben, der nur „billig“ will? Oder sind das am Ende wir, die Unternehmer, die sich manipulieren lassen und nur noch den Preis erfragen, den wir unterbieten sollen? Wo führt das hin? Sind uns die weitreichenden Folgen bewusst? Denken wir nur noch an das Jetzt?

Lassen Sie uns diesen Gedanken weiter verfolgen.

Das Ziel des Handwerks in Deutschland in der Vergangenheit war es, so perfekt wie möglich seine Arbeit auszuführen. Mit dieser Wertarbeit sind wir weltweit bekannt geworden, das hat uns ausgezeichnet. Wir haben damit werben können und im Vergleich zu heute mit unseren Produkten einen höheren Preis erzielt.

Heute, so scheint es, geht es nur noch darum, alles über den Preis verkaufen zu müssen, den Qualitätsanspruch so weit wie möglich herunterzuschrauben – gerade noch so, dass der Kunde zufriedengestellt ist.

Der Hintergrund des Ganzen: Preisdumping! Ist dies die einzige Möglichkeit des wirtschaftlichen Überlebens?

Verlust der Tradition
Berufsbilder haben Jahr(hundert)e überdauert und wurden über Generationen durch Weitergabe und Überlieferung perfektioniert. Heute hat ein Berufsbild eine Halbwertszeit von nur mehr einer Generation.

Ein Beispiel ist der Kfz-Mechaniker: Für diesen Beruf wird man heute nicht mehr ausgebildet. Es gibt stattdessen den Mechatroniker. Hier versucht man zusätzlich, verschiedene Untergruppen zu schaffen (Servicemechaniker, Servicetechniker), um durch die geringere Qualifikation unter anderem Geld (d.h. man kann diesen Angestellten weniger Lohn bezahlen) zu sparen.

Es werden – man verzeihe mir diesen Ausdruck – „Fachidioten“ herangezogen, die nur einen kleinen Bereich beherrschen. Das Ganzheitliche geht verloren. Heute muss ein Unternehmer diese Angestellten in dieser Form bezahlen, um konkurrenzfähig zu bleiben und um sich gegen immer zahlreicher auftretende Discounter behaupten zu können. Die Qualität bleibt da zwangsläufig auf der Strecke. Aber Qualität kann nicht jeder, das muss man erlernen, und es bedarf Erfahrung!

Ich finde es traurig, dass die Möglichkeit, z.B. im Bereich der Aufbereitung eine Arbeit perfekt ausführen zu wollen, immer seltener gegeben ist. Die Situation ist ja ganz klar: Der Preis ist von vornherein festgesetzt – der Arbeitaufwand nicht. Das führt dazu, dass sich der Aufbereiter fragen muss, was er weglassen kann, damit am Ende alle gerade noch zufrieden gestellt sind und er noch wirtschaftlich ist.

Man hat immer die Wahl. Fast immer! Geht aber das Know-how verloren, schwindet diese, und es bleibt nur noch die Möglichkeit, über den Preis an Aufträge zu kommen!
Die Lösung dieser Situation liegt meines Erachtens darin, dass man Aufbereiter mit in den GW-Prozess einbinden muss, denn der Aufbereiter kann wesentlich mehr als „nur“ ein Auto reinigen. Noch ist er spezialisiert, und man sollte ihm die Möglichkeit geben, nicht nur Fließbandarbeit zu erledigen, sondern eine individuelle Dienstleistung fahrzeuggerecht zu erbringen.

| Zurück zur Seite 1: Wo gehen wir hin? Kolumne zur Marktbeobachtung

| Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Reklamation als Chance zur Kundenbindung


Newsletter

Immer gut informiert.

Mit dem GW-trends Newsletter sind Sie wöchentlich (Mi) über das aktuelle, länderübergreifende Geschehen im Gebrauchtwagengeschäft informiert. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Kommentar verfassen

Newsletter

Immer gut informiert.

Mit dem GW-trends Newsletter sind Sie wöchentlich (Mi) über das aktuelle, länderübergreifende Geschehen im GW-Business informiert. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Akademie aktuell

Schach_akademie

Bei uns finden Sie Training für die Branche. Firmenintern, in offenen Seminaren oder auf Kongressen und Sonderveranstaltungen. mehr