Montag, 19.08.2019
28.05.2019
   
DAT Diesel-Barometer
 

Popularität: Der Diesel scheint die Talsohle durchschritten zu haben.

Totgesagte leben länger

Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat für das aktuelle DAT Diesel-Barometer eine Befragung bei privaten Autokaufplanern durchführen lassen. Zusätzlich wurden Datenbanken zu Gebrauchtfahrzeugwerten, Standzeiten und Kraftstoffpreisen ausgewertet.

Von Januar bis April 2019 wurden 395.171 Diesel-Pkw neu zugelassen. Das sind 6.391 Einheiten mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gebrauchtwagenmarkt wechselten im selben Zeitraum 756.442 Einheiten den Besitzer. Das sind 2,3 Prozent beziehungsweise 17.500 Einheiten weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die Standzeiten von Dieselgebrauchtwagen bewegen sich erstmals 2019 unter 100 Tagen: Gebrauchte Diesel-Pkw verweilen im Bestand der Händler 97 Tage, bis sie verkauft werden. Bei Benzinern ist die Situation mit 85 Tagen ebenfalls auf dem niedrigsten Stand in diesem Jahr. Betrachtet man das Delta zwischen den beiden Kurven seit Jahresbeginn, so beträgt der Unterschied zwischen beiden Antriebsarten im Schnitt zehn Tage, während im Vorjahr die Abstände deutlich größer zugunsten der Benziner waren.

Erstmals in diesem Jahr sind die Gebrauchtfahrzeugwerte von dreijährigen Diesel- und Benzin-Pkw nicht gesunken, sondern auf dem Niveau des Vormonats verblieben. Für Diesel-Pkw wurden im April im Bundesdurchschnitt 52,8 Prozent des Listenneupreises erzielt, für Benziner 57,3 Prozent. Bei den weiterhin sehr gefragten Benzingebrauchtwagen konnte ein solches Verhalten bereits mehrfach in der Vergangenheit beobachtet werden. Bei Dieselgebrauchtwagen ist dies seit der Einführung des DAT Diesel-Barometers noch nicht zu beobachten gewesen.

Bei den Autokaufplanern ist der Zuspruch zum Diesel wieder angestiegen: Aktuell würden 17 Prozent aller privaten Autokaufplaner einen Diesel erwerben. Auch wenn diese Zahl niedrig erscheint, so muss beachtet werden, dass 2015 – und damit vor der Diesel-Krise – nur 23 Prozent aller Diesel-Neuzulassungen auf private Käufer entfielen. Der Löwenanteil war und ist nach wie vor gewerblich. Zudem gilt: Dieselfahrer legen 20.280 Kilometer pro Jahr zurück, Benzinfahrer nur 12.170 Kilometer. Insofern ist die Entscheidung für oder gegen einen Diesel sehr stark vom individuellen Mobilitätsverhalten abhängig. Bei den Dieselfahrern liegt erwartungsgemäß die Akzeptanz des Dieselantriebs mit 42 Prozent wesentlich höher als beim Durchschnitt. Bei beiden Zielgruppen steigt damit der Zuspruch zum Diesel seit März 2018 kontinuierlich an.

Die seit über drei Jahren anhaltende Diskussion um den Diesel spiegelt sich im Verhalten der Autokäufer deutlich wider. 41 Prozent bejahten die Frage, ob der geplante Autokauf wegen der Dieselthematik verschoben wurde. 53 Prozent zeigten sich dagegen unbeeindruckt. Wer seinen Fahrzeugkauf verschoben hat, nannte als Hauptgrund vor allem die drohenden Fahrverbote. Dieses Verhalten war im März 2018 weniger ausgeprägt. Damals hatte die Diskussion für 61 Prozent keine Auswirkung auf den Autokauf, 33 Prozent verschoben ihn.

Auf die Frage "Ich wäre bereit, mich an einer technischen Nachrüstung meines aktuellen Diesels finanziell zu beteiligen" antworteten 40 Prozent der Befragten mit "Ja". Hauptgrund war der Werterhalt des eigenen Pkw, dicht gefolgt von den Fahrverboten oder um das liebgewonnene Auto zu behalten. Dieses Verhalten hat sich innerhalb des letzten Jahres nicht verändert.

Lieber Hybrid oder Wasserstoff statt Elektro

In Sachen alternative Antriebe wurde den Endverbrauchern folgende Frage gestellt: "Angenommen, es gäbe in naher Zukunft nur noch die unten aufgeführten Antriebstechnologien. Für welche würden Sie sich am ehesten entscheiden?" Das Ergebnis zeigt, dass die Autokaufplaner in hohem Maße zu Hybridfahrzeugen tendieren würden – vor allem zu denjenigen ohne Plug-In, die mit 37 Prozent den höchsten Zuspruch erhalten. Plug-In-Hybride kamen mit 24 Prozent auf den zweiten Rang. An letzter Stelle steht das reine Elektrofahrzeug, das mit 18 Prozent noch hinter den Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb liegt (21 Prozent). Die in jüngster Zeit aufgekommene Diskussion um die Rohstoffe, die für die Erzeugung von Batterien der aktuellen Generation notwendig sind, scheinen laut DAT die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen aktuell weiter zu beeinflussen.

DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann: "Die Diskussion um den Diesel ist ein Stück weit der Diskussion um Messstationen gewichen. Gleichermaßen kommen statt NOx nun wieder Feinstaub und CO2-Emissionen auf den Prüfstand – alles Aspekte, die den Diesel aus der Schusslinie nehmen." Die Elektromobilität scheine allerdings nicht das Allheilmittel zu sein – denn es sei schon einigermaßen kurios, dass in der Absichtserklärung der Verbraucher Hybrid und Wasserstoff deutlich gefragter seien als batteriebetriebene Fahrzeuge. "Wer weiterhin mit 'urbaner Arroganz' individuelle Mobilität abschaffen will, vergisst die Mehrheit der Menschen auf dem Land, die nicht ohne Diesel bezahlbar zur Arbeit kommen."


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