Dienstag, 22.09.2020
21.03.2014
   
BMW-Händler gegen Dekra

"Wie Mehl für den Bäcker"

Von Doris Plate

Am meisten überzeugen konnte noch der ehemalige BMW-Manager Jörg Felske, der mittlerweile die Seiten gewechselt hat und nun als Geschäftsführer der Handelsgruppe Procar das Problem auch von der anderen Seite kennt. Dass der Dekra-Wert verbindlich war, war für ihn sonnenklar. Oder: Wie er es auf die Nachfrage des Richters ausdrückte: "Das ist, wie wenn sie einen Bäcker fragen, ob er Mehl verwendet." Felske führte aus, dass zwar viel über Feinheiten, wie die Berücksichtigung bestimmter Ausstattungsmerkmale oder über die Länge des Zeitverzugs zwischen Schwacke-Daten, Erhebung und Berechnung geredet wurde, die Grundlage für die Datenübermittlung aber nie Gesprächsthema, weil selbstverständlich, war. Und da Felske inzwischen nicht mehr in Diensten von BMW steht und deshalb keinen Zugriff mehr auf Unterlagen hat, konnte er auch keine konkreten Gespräche oder Schriftstücke vorweisen, die klar machen, dass die Dekra über die Bedeutung ihrer Gutachten Bescheid wusste.

Auch Dekra-Manager Wolfgang Fritz kannte die Differenzen und gab auch zu Protokoll, dass er seine Ansprechpartner im sogenannten Dekra-Team bei BMW informiert habe. Dass die Verantwortlichen auf beiden Seiten aus dieser Information keine Konsequenzen gezogen haben, nahm er hin, denn schließlich sei das Aufgabe seiner Vorgesetzten gewesen. Aber auch Fritz konnte nicht verbindlich bestätigen, dass der Dekra bekannt war, dass ihre Preise ohne weitere Korrektur für die BMW-Händler verbindlich waren. Dass überhaupt "Bewertungsgutachten" auf diesen Schriftstücken, die eigentlich nur Rechendaten gewesen sein sollen, stand, war laut Fritz ein "EDV-Fehler", ebenso, dass Dekra in der Fußzeile stand. Dieser Fehler wurde 2008/09 erkannt, nachdem dies zuvor viele Jahre angeblich unbemerkt geblieben sein soll. Fritz führte das darauf zurück, dass die Dekra-Mitarbeiter keines der jährlich 70.000 bis 80.000 "Bewertungsgutachten" zu sehen bekommen hätten, da sie nur durch den Großrechner der Dekra geleitet worden waren und niemals vor Ort ausgedruckt wurden. Geändert habe der Prüfkonzern dies aber dennoch erst Ende 2010.

Auch die BMW-Bank-Manager Ursula Wingfield und Thomas Seuling hatten lediglich Briefe unterschrieben, die ihnen von den Fachabteilungen vorgelegt worden waren, und konnten zu den konkreten Umständen nichts sagen. Für Andreas Ewers waren es nach seinem Verständnis "unzweifelhaft Gutachten". Er war davon ausgegangen, "wo Dekra draufsteht, ist Dekra drin." Es habe sich um eine "formale Selbstverständlichkeit" gehandelt und sei "seit Jahren gängige Praxis" gewesen. Zwar habe er wegen der Häufung der Beschwerden Gespräche mit dem damaligen Dekra-Verantwortlichen Dieter Roth geführt. Aber auch hier mag das Gericht keinen Beweis dafür erkennen, dass die Dekra wusste, dass ihre Gutachten Rechnungen auslösen. Mit weiteren Details habe sich Ewers selbst auch nicht beschäftigt, denn: "Wir haben nicht in jedem Fall reagiert, wenn ein Händler auf uns zukam und gesagt hat, das ist nicht auskömmlich." Er habe das dann in die zuständige Fachabteilung verwiesen.

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