Dienstag, 19.02.2019
17.01.2019
   
Autokauf
 

Vom Beginn der Informationssuche bis zum tatsächlichen Kauf vergehen im Schnitt 26 Tage beim Gebraucht- und 33 Tage beim Neuwagenkauf.

Stationärer Handel gewinnt wieder an Bedeutung

Freudige Nachricht für Autohäuser: Der stationäre Handel hat bei der Informationssuche rund um den Fahrzeugkauf Boden gut gemacht. Wie die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) am Donnerstag in Berlin berichtete, sind die Kfz-Betriebe für Neuwagenkäufer wieder die Nummer eins unter den Anlaufstellen im Offline-Bereich. Als Grund nannten die Marktexperten die zahlreichen Diesel-Initiativen und die damit verbundenen Hersteller-Prämien, die den Kontakt vor Ort beim Handel stärker in den Fokus gerückt hätten.

Bei den "Online-Quellen" liegen die Verkaufsplattformen/Neuwagen-Portale mit einem Anteil von 44 Prozent vorne; es folgen die Website (41 Prozent) und der Fahrzeugkonfigurator (37 Prozent) des Herstellers. Erst danach kommt die Internetpräsenz des Autohauses (31 Prozent).

Bei der Vorstellung des "DAT-Reports 2019" betonten die Branchenbeobachter auch, dass von einer Auto-Müdigkeit in Deutschland trotz Dieselkrise und Fahrverboten keine Spur sei. Demnach bestätigen über 90 Prozent aller befragten Fahrzeugkäufer (94 Prozent der Neu- und 93 Prozent der Gebrauchtwagenkunden), dass sie sich ohne eigenen Wagen in ihrer Mobilität eingeschränkt fühlten. In ähnlicher Größenordnung liegen die Werte bei den Aussagen "Autofahren macht Spaß" und "Das Fahrzeug muss stets in einwandfreiem technischen Zustand".

Weiterhin hoch ist die Investitionsbereitschaft der Deutschen beim Autokauf. Der Untersuchung zufolge gaben sie 2018 im Schnitt 31.130 Euro für ein Neufahrzeug aus, 780 Euro mehr als im Jahr davor. Bei Gebrauchtwagen stiegen die Preise von 11.250 Euro auf 11.780 Euro. In diesem Bereich wurden auf dem Privatmarkt durchschnittlich 7.730 Euro, beim freien Handel 7.890 Euro und beim Markenhandel 15.610 Euro bezahlt.

Autokunden sind treue Seelen

Interessant: Bei der Frage nach der Markenloyalität zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Anschaffung. So entscheiden sich 51 Prozent aller Neu- und 25 Prozent aller Gebrauchtwagenkäufer wieder für ein Fahrzeug des Fabrikats, das sie bisher gefahren haben – obwohl sie sich selbst als weniger markentreu (34 Prozent der Neu- und 23 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer) eingeschätzt hatten. Als vollkommen unwichtig sehen lediglich 16 Prozent der Neu- und 30 Prozent der Gebrauchtwagenkunden die Marke. Der Rest gibt an, zwischen zwei oder maximal drei Herstellern zu wechseln.

In seiner neuen Ausgabe geht der DAT-Report auch der Elektrifizierung auf den Grund. Auf die Frage, welche Antriebsart die präferierte wäre, wenn es keine reinen Verbrenner mehr gäbe, würden sich demnach 67 Prozent der Neu- und 64 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer für ein Hybridfahrzeug entscheiden. Für ein E-Auto sprachen sich nur 33 bzw. 36 Prozent aus.

Als größte Hürde beim Kauf eines elektrifizierten Pkw nennen die Neuwagenkunden die begrenzte Reichweite (60 Prozent), im Gebrauchtwagen-Segment sind es die hohen Anschaffungskosten. Generell mit einem Pkw mit alternativem Antrieb liebäugelten im vergangenen Jahr nur zwölf Prozent der Gebrauchtwagen- und 24 Prozent der Neuwagenkäufer. Ausbaufähig ist auch der Kenntnisstand zu den E-Antrieben: Hier zeigen sich die NW-Käufer generell aufgeschlossener den Technologien gegenüber als Gebrauchtwagenkäufer. Noch am deutlichsten ausgeprägt ist das Wissen über reine Batterieautos.

Der DAT-Report 2019 enthält ebenfalls interessante Aussagen zum Werkstattgeschäft. So lässt sich generell eine hohe Werkstatttreue deutscher Pkw-Halter herauslesen. Rund 80 Prozent lassen alle Arbeiten am Pkw stets in demselben Service-Betriebe durchführen, nur ein geringer Anteil (17 Prozent) fühlt sich beim Werkstattbesuch häufig nicht gut beraten.

Für 31 Prozent der Befragten ist eine gute Kundenbewertung bei der Wahl der Werkstatt wichtig, wobei dieses Thema bei den jüngeren von höherer Relevanz ist. Fast jeder Fünfte (24 Prozent) zieht Reparaturen für sein Auto in Erwägung, auch wenn diese unwirtschaftlich sind. Gut die Hälfte der deutschen Autofahrer (57 Prozent) sind der Meinung, dass ihr Fahrzeug innen und außen gepflegt aussehen müsse, ansonsten würde man sich "unwohl" fühlen. Rund 36 Prozent waschen ihr Auto bzw. lassen es einmal monatlich waschen.

Im Falle eines Unfalls würden sich immerhin 45 Prozent der Pkw-Halter zutrauen, den Schaden per Smartphone zu dokumentieren und via App an eine Kfz-Versicherung zu senden. Anhand dieser Information könnte die Versicherung letztendlich den Schadensumfang feststellen. Knapp ein Drittel (30 Prozent) lehnt eine solche (Foto-)Dokumentation hingegen ab.

Online-Buchungsbereitschaft stabil

36 Prozent der Pkw-Halter würden einen Wartungsauftrag verbindlich über das Internet buchen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. 26 Prozent würden dies bei anstehenden Reparaturen machen – ein Punkt weniger als im Vorjahr. Grundsätzlich suchen nur 15 Prozent vor einem Werkstattbesuch online nach Informationen. Zum Vergleich: Beim Autokauf sind es ca. 80 Prozent. (rp/tm)


Der DAT-Report gilt seit 45 Jahren als Standardwerk der Automobilbranche. Für die 2019er-Ausgabe befragte das Marktforschungsinstitut GfK 3.943 Privatpersonen zum Fahrzeugkauf und zu ihrer Sicht auf die Werkstätten. Erscheinen soll die Marktanalyse Ende Februar, weitere Informationen finden Interessenten online unter https://report.dat.de

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