Dienstag, 22.08.2017
26.07.2017
   
Wirtschaftlicher Schaden durch Dieselkrise
 

Die Dieseldebatte und die Verunsicherung der Endverbraucher belasten die Gebrauchtfahrzeugwerte inzwischen deutlich.

Autohandel schultert Hauptlast

Der Autohandel rutscht immer tiefer in die Dieselkrise. "Das Hin und Her bei den Fahrverboten sowie die weiterhin mehrheitlich negative und leider meist auch undifferenzierte Berichterstattung in den Medien über den Diesel und die daraus resultierende Verunsicherung der Endverbraucher belasten die Gebrauchtfahrzeugwerte inzwischen deutlich", kommentierte Jens Nietzschmann, Geschäftsführer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), die aktuelle Analyse "Diesel-Barometer". Damit trage der Handel den Großteil des wirtschaftlichen Schadens.

Für den Juni beobachtete die DAT ein weiteres Auseinanderdriften der Diesel- und Benzin-Fahrzeugwerte. Dreijährige Benzin-Gebrauchtwagen liegen derzeit stabil bei 56,2 Prozent des ehemaligen Listenneupreises, Diesel-Pkw 1,3 Prozentpunkte darunter. Während in den möglichen Fahrverbotsregionen überdurchschnittliche Abschläge auf die Preise von gebrauchten Dieseln verkraftet werden müssen, ist dies z.B. in ländlichen Gegenden kaum ein Thema. Nietzschmann: "Wie wir aktuell sehen, wird sich der überproportionale Diesel-Wertverlust auch bei der bevorstehenden Rückbetrachtung des Monats Juli fortsetzen."

Weiteres Ergebnis: Die Abverkäufe von Dieselfahrzeugen in alternative Vertriebskanäle stagnieren. 35 Prozent der Händler nutzen für den Verkauf Auktionen, Exporte oder Wiederverkäufer. "Die Aufnahmefähigkeit dieser Marktsegmente ist allerdings begrenzt und außerdem mit erheblichen Nachlässen auf die Verkaufspreise verbunden", warnen die Marktbeobachter. 43 Prozent der Händler berichten zudem, dass die Bestelldauer von Neufahrzeugen mit Benzinmotoren zunimmt, was auf die noch nicht an die gestiegene Nachfrage angepassten Produktionskapazitäten zurückzuführen ist.

Die Standzeiten für gebrauchte Dieselfahrzeuge liegen laut DAT inzwischen 16 Tage über dem Durchschnittswert von Benzinern. In Kombination mit den ebenfalls gestiegenen Standkosten von 27 Euro pro Tag und Pkw geraten die Margen der Händler weiter unter Druck. Zehn Prozent der befragten Betriebe haben einen Einstellungsstopp für Mitarbeiter verfügt – oder sie mussten bereits Mitarbeiter entlassen.

Beratungsbedarf belastet Ressourcen

Eine zusätzliche Herausforderung für den Handel ist die Beratungsdauer der Kunden zum Thema Diesel. 88 Prozent der Autohäuser müssen sich dafür deutlich mehr Zeit nehmen. "Dies betrifft interessanterweise auch Kunden, die gar nicht die Absicht haben, einen Diesel zu kaufen, sondern im Gespräch mit dem Händler nur die aktuelle Diskussion in den Medien reflektieren wollen." Die durchschnittliche Dauer der Beratungen liegt bei rund 25 Minuten im Schnitt pro Kunde je Verkäufer.

Ein klares Statement gaben die Händler zum Thema Kommunikationsoffensive der Hersteller und Importeure ab: 76 Prozent sind der Meinung, dass eine gemeinsame Initiative zugunsten des Diesels eine Verbesserung der Gesamtsituation herbeiführen würde. "In München hat sich die Situation nach dem Treffen von Politik und Automobilindustrie Ende Juni etwas entspannt", sagte Peter Müller, Geschäftsführer der Häusler Automobil GmbH, der im Expertenarbeitskreis Diesel der DAT sitzt. "Allerdings sind sich unsere Kunden weiterhin sehr unsicher und wissen nicht, wie es mit dem Diesel weitergeht. Unsere Verkaufsberater müssen daher in den Gesprächen viel Zeit investieren. Wir hoffen, dass die angedachten Nachrüstlösungen für eine Verbesserung sorgen."

Noch keine Auswirkungen des Kartell-Vorwurfs

Die Auswirkungen der Veröffentlichungen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zum Thema Kartell-Verstöße sind aus aktuell vorliegenden Marktdaten noch nicht ablesbar. "Sollte es solche tatsächlich geben, werden diese frühestens Ende August deutlich, weil erst dann valide Mengen an Daten zu realen Abverkäufen zur Verfügung stehen", betonte Nietzschmann. "Wenn man allerdings berücksichtigt, mit welch erstaunlicher Härte die Automobilbetriebe die Diesel-Nackenschläge der vergangenen 22 Monate weggesteckt haben, darf man vorsichtig optimistisch sein, dass sich auch die Auswirkungen der erneuten Eskalation – entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung – in Grenzen halten. Alles andere wäre auch ein Drama, würde es doch genau jene Marktbeteiligten existenziell treffen, die am wenigsten für die negative Entwicklung können aber gleichzeitig jeden Tag den größten Beitrag zur Beruhigung der Marktlage in Richtung Endverbraucher leisten."

Für das aktuelle Diesel-Barometer hat die DAT erneut verantwortliche Vertreter von über 400 Autohäusern befragt. Der im April 2017 ins Leben gerufene Experten-Arbeitskreis Diesel trifft sich im zweimonatlichen Turnus, um die Ergebnisse der Befragungen zu analysieren. Er setzt sich zusammen aus Vertretern von Kfz-Händlern, aus Repräsentanten freier Autobanken und Prüforganisationen, aus DAT-Fachvertretern der Abteilungen Marktbeobachtung, Sachverständigenwesen, Unternehmenskommunikation sowie der Geschäftsleitung der DAT. (se)

Charts zum aktuellen "Diesel-Barometer" finden Sie zum Download unter diesem Artikel!


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