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Frank Herold, Chefredakteur GW-trends
Privatkunde kauft Neuwagen – Abschied von einer Illusion
Von Frank Herold, Chefredakteur GW-trends
Schon in den letzten Jahren war der Anteil der Privatkunden bei den Neuzulassungen ständig rückläufig. In Großbritannien hat man sich längst daran gewöhnt, dass auf einen privaten Abnehmer deren vier gewerbliche kommen.
Jetzt hört man allerorten, es solle wieder besser werden: Die Politik will über Steuerbefreiung den Neuwagenverkauf ankurbeln. Doch an der Effektivität dieser Maßnahme darf gezweifelt werden. Was sind zwei Jahre Kfz-Steuer gegenüber den mittlerweile horrenden Energiekosten für die individuelle Mobilität oder gegenüber dem eigentlichen Kostentreiber, dem Wertverlust. Hier hat die Industrie ganze Arbeit geleistet: Zuerst schraubte man das Listenpreisniveau in schwindelnde Höhen - weit überdurchschnittlich im Vergleich zur normalen Teuerung und dann brachte man durch eine verfehlte Strategie der dauernden Überproduktion das Restwertgebäude zum Einsturz.
Es ist schon unverfroren, wenn eben diese Hersteller nun staatliche Hilfsmaßnahmen fordern, um gröbste Managementfehler der Vergangenheit durch Staatsgelder – also unsere Steuergelder – zu sozialisieren. Japanische Unternehmen sind uns doch nicht deswegen bei Zukunftstechnologien davon gefahren, weil der japanische Fiskus Hilfsprogramme auflegte, sondern weil deren Unternehmensstrategien weniger auf kurzfristige Effekte an der Börse, sondern eher auf Nachhaltigkeit angelegt sind.
Otto Normalverbraucher soll also jetzt wieder verstärkt Neuwagen kaufen. Mit immer geringeren Reallöhnen und steigenden Lebenshaltungskosten. Da hilft auch der aktuelle Metallerabschluss wenig, da er gerade mal einen Inflationsausgleich bewirkt. Effektiv mehr Geld in der Tasche hat der Arbeitnehmer nicht.
Stellen wir uns doch den Realitäten: Für viele Fahrzeugsegmente sind einfach die Käuferschichten weggebrochen. Die einen können sich den Mittelklassewagen nicht mehr neu leisten, die anderen fahren mittlerweile Dienstwagen. Das heißt, privat wird immer mehr zum (jungen) GW greifen. Und hier liegt unsere Chance! Der Gebrauchtwagenbereich bedarf dringend einer Stärkung in den Autohäusern. Denn die „Kunden fürs Leben“ werden nicht nur mit einem GW einsteigen, sondern vielleicht auch später sich immer wieder aus diesem Segment bedienen (müssen).
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