Dienstag, 22.05.2012
19.11.2008
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Wie geht es weiter?

Das Denkmal des Firmengründers Adam Opel (1837-1895) vor dem Haupttor der Adam Opel AG in Rüsselsheim.

GM lehnt Opel-Verkauf ab

Der ums Überleben kämpfende US- Autokonzern GM und seine deutsche Tochter Opel drosseln weiter die Produktion.
Opel gewann am Mittwoch die Unterstützung des hessischen Landtags für eine Bürgschaft von bis zu 800 Millionen Euro, die im Falle einer Pleite des Mutterkonzerns das Überleben sichern könnte.

Unerwartetes Interesse für das deutsche Traditionsunternehmen mit seinen gut 25.000 Mitarbeitern zeigt das führende Solarunternehmen SolarWorld, das Opel zu einem „grünen“ Autokonzerns umbauen will.

Weltweit kämpft die Branche mitten im Abschwung mit einer für 2009 erwarteten Überkapazität von voraussichtlich 27 Millionen Autos.
Ohne Milliardenhilfen des Staates sehen die drei US-Autobauer General Motors, Chrysler und Ford allein in Amerika drei Millionen Arbeitsplätze bedroht.

Schlechte Werksauslastung
Opel muss 2009 mit der schlechtesten Werksauslastung aller deutschen Hersteller rechnen. Die Zeitschrift „auto motor und sport“ zitierte eine Prognose des Spezialisten CSM Worldwide, wonach die Opel-Auslastung nur noch bei 66,2 Prozent der Kapazität liegen soll. Das Astra-Werk Bochum rutsche auf nur noch 61 Prozent Auslastung, während das Corsa-Werk in Eisenach 76 Prozent erreiche.
Im Stammwerk Rüsselsheim rechnen die Experten wegen des neuen Modells Insignia und des Produktionsanlaufs für den neuen Saab 9-5 mit 81 Prozent Auslastung. Der bestausgelastete deutsche Hersteller ist nach den Informationen BMW mit 92 Prozent (minus 4,6 Punkte).

SolarWorld zeigt Interesse; Absage von GM
Das Bonner Unternehmen SolarWorld will Opel „zum ersten "grünen europäischen Autokonzern“ entwickeln. Die Kaufsumme von einer Milliarde Euro bewerteten Branchenexperten als zu niedrig.
Sie bezifferten den Unternehmenswert auf drei Milliarden Euro. General Motors (GM) erteilte dem Angebot eine Absage. „Opel steht nicht zum Verkauf», sagte ein Sprecher in Detroit.

Der Chef der SolarWorld AG, Frank Asbeck, sagte, sein Angebot sei ernst gemeint. „Wir haben eine Milliarde Euro liquide Mittel zur Verfügung.“ Opel müsse komplett aus dem GM-Konzern getrennt werden.
Zudem erwarte SolarWorld „eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro deutschem Arbeitsplatz (insgesamt eine Milliarde Euro)“. Die SolarWorld-Aktie stürzte nach der Mitteilung um bis zu 17 Prozent auf 13,60 Euro ab.

1,8 Mrd. braucht Opel im schlimmsten Fall
Opel macht etwa drei Viertel des GM-Europageschäfts aus. Nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ braucht Opel im „schlimmsten anzunehmenden Fall“ eine Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro in den Jahren 2009 und 2010. Angesichts der Krise will der Autobauer die Produktion um bis zu zehn Prozent in fast allen europäischen Werken drosseln, wie Opel-Chef Hans Demant sagte.

Bei Opel wird auch über eine 30-Stunden-Woche diskutiert, wie Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte. Ein Opel-Sprecher betonte, es sei Ziel von Management und Betriebsrat, die Einschnitte ohne Stellenabbau zu bewältigen.
Berichte, wonach Manager auf Sondervergütungen verzichten müssen, kommentierte ein Sprecher nicht. Laut „Bild“-Zeitung gilt die Verfügung von GM-Europachef Carl-Peter Forster für die nächsten 14 Monate für die oberen Management-Ebenen an allen Standorten.

Verheugen sieht Opel als „Sonderfall“ in Europa
EU-Industriekommissar Günter Verheugen bezeichnete die Opel- Probleme als „Sonderfall“ in Europa. „Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, sagte Verheugen vor dem Europaparlament in Straßburg. Opel sei ein wettbewerbsfähiges Unternehmen, das durch GM in eine Notlage gezogen werde.

GM, Ford und Chrysler bitten weiterhin um Hilfe
Unterdessen erneuerte in den USA die Chefs der drei großen Autobauer GM, Ford und Chrysler ihre Forderung nach einem weiteren Staatskredit in Höhe von 25 Milliarden Dollar (20 Mrd. Euro). Dieser sei nötig, „um die Liquiditätskrise zu überleben“, sagte Chrysler- Vorstandschef Robert Nardelli am Dienstag vor einem US- Senatsausschuss. Er malte ein Mit Schreckensszenario für den Fall eines Kollaps der Branche: „4,5 Millionen Menschen hängen von dieser Industrie ab. Ohne Unterstützung könnten fast drei Millionen von ihnen binnen zwölf Monaten ihren Job verlieren.“

GM-Chef Rick Wagoner warnte vor „katastrophalen gesellschaftlichen Folgen“, sollte die heimische Autoindustrie untergehen. Die US- Demokraten um den künftigen Präsidenten Barack Obama wollen das 700- Milliarden-Dollar-Paket für die Banken anzapfen, um den angeschlagenen Autobauern zu helfen. Präsident George W. Bush und die meisten Republikaner lehnen das ab.

General Motors muss wie Opel und andere Hersteller in Europa die Produktion nochmals herunterfahren. Die Bänder in weiteren fünf Werken sollen im Januar für bis zu zwei Wochen still stehen.
Auch der japanische Rivale Toyota kündigte Kürzungen an. Der Absatz am US-Automarkt war im Oktober um knapp 32 Prozent eingebrochen. Die Verkaufszahlen liegen damit so niedrig wie zuletzt vor 25 Jahren. (dpa)

 


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