Mittwoch, 18.07.2018
22.03.2018
   
Finanzdienstleister
 

Angesichts des Wandels in der Autoindustrie sieht Branchenexperte Stefan Bratzel auch einen Teil des Geschäftsmodells von Finanzdienstleistern schwinden.

Mobilitätswandel bringt neue Chancen

Mit dem Wandel in der Automobilbranche werden herkömmliche Ertragspfeiler in den kommenden Jahren erodieren. Je stärker die drei "Mobilitätsrevolutionen" in den Bereichen Effizienz, Zeit und multimodale Systeme voranschreiten, desto größer wird auch der Bedarf an neuen Services und Diensten rund um die Finanzierung. Diese reichen von zunehmenden Telematik-Tarifen für die Kfz-Versicherung über Mobilitätsversicherung bei Arbeitslosigkeit bis hin zu Mobilitäts-Flatrates für Privat- und Flottenkunden. Das ist eine Auswahl an Kernergebnissen der Studie "Finanzierung und Absicherung neuer Mobilitätskonzepte", die das Center of Automotive Management (CAM) für BNP Paribas Cardif durchgeführt und Prof. Stefan Bratzel am Mittwoch auf dem Branchentag Automotive 2018 in Böblingen vorgestellt hat.

Dafür hatte das Institut insgesamt 1.002 Konsumenten befragt und zahlreiche Experteninterviews geführt. Demnach ist im Moment zwar insgesamt noch knapp drei Vierteln in Deutschland ein eigenes Auto wichtig. Speziell in der Gruppe jüngerer Stadtbewohner ist es aber nur noch ein gutes Drittel – mit Folgen für die langfristigen Geschäftsaussichten für Autofinanzierer und -versicherer.

Es bestehe zwar kein Anlass für Panik und Hysterie, dennoch müssten sich zum Beispiel Versicherer schleunigst nach neuen Strategien umsehen, sagte Bratzel. "Für das derzeitig sehr profitable Feld von Finanzdienstleistungen ergibt sich ein erheblicher Innovations- und Anpassungsbedarf." Der Experte geht davon aus, dass das gesamte Finanzierungsvolumen bei Neu- und Gebrauchtwagen noch bis Mitte der 2020er-Jahre leicht steigen und dann immer stärker zurückgehen wird.

Neue Profit-Pools entstehen

Laut Untersuchung entstehen durch die Transformation folglich auch neue Profit-Pools. Dabei richtet sich ein Fokus auf den Zeitraum ab 2025. Ab dann werden nicht nur die Fortschritte auf digitaler Ebene und beim autonomen Fahren noch stärker wirken, sondern auch der Trend weg vom Fahrzeugbesitz hin zu Sharing-Ansätzen. Der Autoexperte betonte, dass all dies Möglichkeiten für bisher nicht vorhandene Services, beispielsweise beim autonomen Fahren im Entertainment- oder Business-Bereich oder digitale Bezahldienste fürs Parken, biete. (asc/dpa)


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