Montag, 23.10.2017
16.09.2017
   
Dieselskandal
 

Dirk Weddigen von Knapp lässt kein gutes Haar am Umgang von VW mit dem Dieselskandal.

VW-Händlerverband schlägt Alarm

Die deutschen VW- und Audi-Händler haben den Autokonzern für den Umgang mit den Folgen der Abgasmanipulationen scharf angegriffen und prüfen wegen der Dieselkrise Schadenersatzforderungen gegen Volkswagen. "Wir haben einen Skandal, und wie der Konzern damit umgeht, ist unglaublich. Man bekennt sich nicht mehr schuldig für das, was man verursacht hat", beklagte der Vorsitzende des Volkswagen und Audi Partnerverbandes (VAPV), Dirk Weddigen von Knapp, im "Spiegel" (aktuelle Ausgabe).

VW-Deutschland-Vertriebschef Thomas Zahn nannte die Kritik des Händlerverbands in einem Statement "beispiellos und geschäftsschädigend". "Wir haben die Aussagen von Herrn Weddigen von Knapp mit Verwunderung zur Kenntnis genommen", so der Manager. Dem Autobauer missfällt vor allem, dass Weddigen von Knapp erneut den Weg in die Öffentlichkeit wähle. Denn man stehe in "regelmäßigem und konstruktivem Austausch mit allen Repräsentanten des Volkswagen Audi Partnerverbands", um der herausfordernden Situation gemeinsam zu begegnen.

Spannungsfrei ist das Verhältnis zwischen Händlern und Autobauern bekanntlich nicht, doch Konflikte tragen beide Seiten meist nicht in der Öffentlichkeit aus. Der VAPV hatte aber bereits Mitte Mai in der "Süddeutschen Zeitung" Alarm in der Dieselthematik geschlagen. Damals ging es auch um die geplanten Händler- und Serviceverträge bei Audi (AUTOHAUS berichtete). Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen der mehr als 2.400 Handels- und Servicebetiebe der Marken VW, Audi und VW Nutzfahrzeuge.

Großer juristischer Ärger

Im Abgas-Skandal richten sich viele Klagen von Autobesitzern gegen die Händler und nicht gegen VW direkt. Weddigen von Knapp erklärte, er verstehe Kunden, die VW verklagten, um ein anderes Auto oder ihr Geld zurückzubekommen. "Selbstverständlich ist das ein berechtigter Anspruch." Die Kunden würden nur ihr Recht in die Hand nehmen. Die Händler wiederum fühlten sich von Volkswagen "im Stich gelassen". Es sei aber grotesk, dass die Händler, die den Ärger der Kunden nachvollziehbar finden, vor Gericht gegen ihre klagenden Käufer kämpfen müssten. "Das ist eine perverse Situation, und sie führt dazu, dass wir diese Kunden nie mehr wiedersehen", sagte der Verbandschef. Insgesamt habe der Handel in Deutschland 73.000 VW weniger verkauft seit Beginn der Dieselkrise. Stoppen ließe sich das alles nur, "wenn VW endlich bereit ist, seine Kunden in der Krise anständig zu behandeln".

Der VAPV lässt laut Weddigen von Knapp ein Rechtsgutachten erstellen, um angesichts der Belastungen durch Verbraucherklagen und Wertverlust bei Dieselautos Schadenersatzansprüche zu prüfen. Die Höhe der Forderungen stehe noch nicht fest. Insgesamt dürfte es aber um eine hohe zwei bis dreistellige Millionensumme gehen.

Die Dieselkrise drücke die Preise für die Fahrzeuge, so Weddigen von Knapp weiter. Die Händler würden das vor allem bei Rückläufern aus Leasingverträgen spüren. "Wenn der Händler es überhaupt schafft, so einen Rückläufer gleich zu verkaufen, macht er heute je nach Typ bis zu 3.000 Euro Verlust gegenüber dem Restwert, mit dem er das Auto vor der Dieselkrise kalkuliert hatte." Vertriebschef Zahn widerspricht und verweist auf DAT-Zahlen: "Die Darstellung der verschiedenen Themen entspricht aus unserer Sicht nicht den Fakten und den öffentlich zugänglichen Informationen."

"Wir stehen in der Verantwortung"

Zahn betonte gleichwohl, dass der Hersteller die Sorgen und Rückmeldungen der Autohäuser ernst nehme. "Der Vertrauensverlust auf Seiten der Kunden und des Handels ist uns bewusst und wir stehen hier in der Verantwortung. Es ist unser wichtigstes Ziel, diesm entgegen zu wirken und das Vertrauen zurück zu gewinnen."

In dem Interview wirft Weddigen von Knapp dem Konzern außerdem vor, mit der Software-Nachrüstung von Dieselmotoren seine Kunden nicht "anständig" zu behandeln. Nur eine deutlich teurere Nachrüstung von Bauteilen "taugt wirklich". Diesen Weg sei Volkswagen aber nicht gegangen, "weil dort die Meinung vorherrscht, dass es mit 70 Euro getan ist". (rp/dpa)


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