Montag, 18.06.2018
20.02.2018
   
Dieselkrise
 

Diesel-Fahrverbote: DAT-Geschäftsführer Nietzschmann geht davon aus, dass das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipuig dem Handel wehtun werde.

"Nagelprobe steht erst noch bevor"

Die Dieselkrise setzt dem Autohandel bereits stark zu – das Schlimmste dürfte nach Einschätzung von Jens Nietzschmann aber erst noch auf die Betriebe zurollen. "Das Tragische ist, dass dem Handel die Nagelprobe der Dieselkrise erst noch bevor steht", sagte der Sprecher der DAT-Geschäftsführung zwei Tage vor der wegweisenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig zu möglichen Fahrverboten an diesem Donnerstag (22. Februar). Und weiter: "Es ist nicht zu erwarten, dass die Leipziger Verwaltungsrichter den Städten einen Persilschein in Sachen Umweltschutz ausstellen." Wie auch immer das Gericht entscheide, das Urteil werde dem Handel wehtun. Die Frage sei nur, wie stark der Kostenschmerz ausfalle.

Wegen der anhaltenden Diskussion um Fahrverbote in deutschen Städten kämpfen die Autohäuser nicht nur mit erhöhten Standzeiten und -kosten bei gebrauchten Selbstzündern, sondern auch mit steigenden Wertverlusten. "Hinzu kommt in diesen Zeiten ein nicht zu unterschätzender Aspekt: eine schleichende Demotivation der Belegschaft", betonte Nietzschmann. "Es bleibt zu hoffen, dass die Politik und die Industrie endlich alle unschuldig Betroffenen, ob private Verbraucher, gewerbliche Fahrzeughalter, die Städte und Gemeinden oder eben die Automobilbetriebe bei der Bewältigung der Dieselkrise wirksam unterstützt."

Die DAT hat auch im Februar den deutschen Automarkt unter die Lupe genommen. Die wichtigsten Ergebnisse des aktuellen "Diesel-Barometers" im Überblick:

Pkw-Markt in Deutschland stark gestartet

Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) nach Neuzulassungen und Besitzumschreibungen und zusätzlich nach Diesel und Benzin zeigen: Die Januar-Ergebnisse liegen allesamt über dem Vormonat und – bis auf die Diesel-Neuzulassungen – auch über dem Vorjahresmonat.

Rückgang bei gebrauchten Diesel unter drei Prozent

2017 wurden im Vergleich zu 2016 nur 2,7 Prozent weniger Diesel-Gebrauchtwagen verkauft. Auf dem Neuwagenmarkt wurden 13,2 Prozent weniger Diesel zugelassen, dies wurde durch 13,8 Prozent mehr Benzin-Neuzulassungen überkompensiert. 28 Prozent aller Diesel-Gebrauchtwagen hatten bereits einen Euro-6-Motor. Aktuell im Pkw-Bestand in Deutschland (2017) befinden sich etwa 15 Millionen Diesel-Pkw, davon 5,9 Millionen mit Euro-5-Motor und 6,4 Millionen mit Euro-4 oder niedriger. Der Rest der noch verbleibenden 2,7 Millionen Autos ist mit einem Euro-6-Diesel ausgestattet.

Diesel-Diskussion prägt Autokauf

23 Prozent der Neuwagen- und 15 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer geben an, die Diskussion habe ihre Kaufentscheidung beeinflusst. Dies hängt unter anderem mit der Höhe der Investitionen in den Pkw-Kauf zusammen. Für einen Diesel-Gebrauchtwagen bezahlten die Autokäufer 2017 im Schnitt 15.010 Euro, für einen Diesel-Neuwagen 40.400 Euro. Den eigenen Diesel-Vorwagen haben wegen der Angst vor Fahrverboten oder Wertverlust 17 Prozent der Neuwagen- und 20 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer verkauft.

Etwa die Hälfte glaubt an Nachrüstlösungen

Die Aussage "Ich denke, dass die Automobilindustrie (Technik) in Zusammenarbeit mit der Politik (Förderung) bezahlbare Nachrüstlösungen für einen Großteil der von Fahrverboten betroffenen Fahrzeuge anbieten wird" bestätigen 48 Prozent der Neuwagen- und 42 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer. Etwa 30 Prozent sind gegenteiliger Meinung, der Rest konnte oder wollte dazu zum Zeitpunkt der Befragung keine Angabe machen.

Diesel-Standtage weiter hoch

Die Diesel-Gebrauchtwagen stehen weiterhin deutlich länger beim Handel als vergleichbare Benziner. Im Schnitt nach 102 Tagen verlässt ein gebrauchter Diesel-Pkw das Sortiment des Händlers, ein Benziner nach 89 Tagen.

Fahrzeugwerte von Dieseln weiter rückläufig

Die dreijährigen Gebrauchtwagen mit Dieselantrieb waren im Dezember 2017 noch 52,6 Prozent vom ehemaligen Listenneupreis wert. Benziner kamen auf 57,2 Prozent. Diesel verloren damit 3,4 Prozentpunkte an Wert über zwölf Monate, Benziner stiegen im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozentpunkte an. Zum Jahresbeginn wurden "neue" dreijährige Gebrauchtwagen bewertet. Die Benziner erreichten 58 Prozent, die Diesel-Gebrauchtwagen 53,7 Prozent.

Verunsicherung der Kunden weiter groß

Wie zutiefst verunsichert die Kunden momentan sind, zeigt eine konstruierte Situation. Für den DAT-Report 2018 allen Autokäufern wenige Monate nach ihrem Kauf folgende Frage gestellt: "Einmal angenommen, Ihr jetziger Wagen würde Ihnen heute gestohlen und Sie bekämen den vollen Kaufpreis ersetzt. Würden Sie sich wieder für die gleiche Motorart (= Benziner, Diesel, Hybrid oder Elektromotor) entscheiden?" Im Schnitt würden sich 94 Prozent aller Neuwagenkäufer wieder und nur sechs Prozent gegen ihre eben erst gewählte Motorart entscheiden. Fragt man nur diejenigen, die sich einen Diesel gekauft haben, sind es schon neun Prozent, die das nicht mehr tun würden. Bei den Gebrauchtwagenkäufern ist die Situation drastischer: Im Schnitt würden 91 Prozent wieder dieselbe Motorart wählen, nun Prozent würden sich anders entscheiden. Fragt man nur die Diesel-Käufer, so liegt diese Quote bei 14 Prozent. (AH)


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