Sonntag, 19.11.2017
17.10.2017
   
Diesel-Nachrüstung
 

Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk begrüßte am Dienstag 450 Teilnehmer zur ZDK-Bundestagung.

Kfz-Gewerbe fordert nationale Verordnung

ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk hat eine nationale Nachrüst-Verordnung für ältere Diesel-Pkw und Kleintransporter gefordert. Fahrverbote ließen sich nur verhindern, wenn es nachhaltig wirksame Perspektiven bei der Nachrüstung gäbe, sagte Hülsdonk am Dienstag auf der ZDK-Bundestagung in Berlin.

Der Bundesinnungsmeister verwies auf Praxistests, bei denen mit einer Hardware-Nachrüstung ein Stickoxidausstoß von weniger als 80 Milligramm pro Kilometer und damit Euro 6-Niveau erreicht worden sei. "Und viele Hersteller haben die Teile dafür offensichtlich bereits im Regal", sagte er. Die Verordnung müsse eine weitere Konsequenz aus dem Abgas-Skandal sein, nachdem bereits die Endrohrmessung bei der Abgasuntersuchung (AU) zum 1. Januar 2018 wieder verpflichtend eingeführt werde.

Verbandspräsident Jürgen Karpinski erklärte, dass der Diesel-Anteil bei Neuwagen im September um 21,3 Prozent zurückgegangen sei – "ein klares Ergebnis der Verunsicherung der Verbraucher durch die Diskussion um drohende Fahrverbote". Auch im Gebrauchtwagen-Geschäft seien inzwischen Bremsspuren zu sehen. Rund 300.000 Euro 5-Diesel würden sich zurzeit bei den Händlern "die Reifen plattstehen, mit einem Wert von rund 4,5 Milliarden Euro". Durch Leasing-Rückläufer drohe weiteres Ungemach. Die Hardware-Nachrüstung diene der Umwelt und trage zur Stabilisierung der Fahrzeugwerte bei, betonte Karpinski. "Das ist nicht nur für die Autobesitzer, sondern ganz besonders auch für unsere Betriebe lebenswichtig."

Gastredner auf der Veranstaltung war VDA-Präsident Matthias Wissmann, der vor rund 450 Branchenvertretern einen "massiven Angriff auf die individuelle Mobilität in der öffentlichen Debatte" beklagte. Dem müsse sich die gesamte Automobilbranche entgegenstellen. Wissmann dankte dem Kfz-Gewerbe für dessen Einsatz in der Dieselkrise und hob das gemeinsamen Ziel hervor, Fahrverbote zu vermeiden. Mit Blick auf die ZDK-Forderung schob er gleichwohl hinterher: "Wir sind bei der Hardware-Nachrüstung skeptischer als Sie." Bekanntlich setzen die deutsche Autohersteller auf Software-Updates, um das NOx-Problem der Dieselmotoren in den Griff zu bekommen.

In seinem Vortrag unterstrich Wissmann den hohen Ressourceneinsatz der Automobilindustrie für Forschung und Entwicklung (F&E). "Die deutsche Automobilindustrie steht für 35 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen der deutschen Industrie. Weltweit haben die deutschen Hersteller und Zulieferer 2015 rund 39 Milliarden Euro in F&E investiert. Sie stemmen ein Drittel der gesamten weltweiten F&E-Ausgaben der Automobilbranche. Damit sind sie Spitzenreiter noch vor ihren japanischen und amerikanischen Wettbewerbern", erklärte er.

Zugleich sei der Umstieg auf die Elektromobilität in vollem Gange. Wissmann: "Sie bildet einen Schwerpunkt unserer F&E-Investitionen. Bis 2020 werden dafür rund 40 Milliarden Euro aufgewendet und die deutschen Automobilhersteller werden ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen – von derzeit 30 Modellen auf knapp 100." In Westeuropa seien die deutschen Anbieter mit einem E-Marktanteil von 52 Prozent führend.

Im Rahmen der Bundestagung diskutierten die Teilnehmer außerdem zu den Themen alternative Antriebe, technische Fahrzeugüberwachung, internetbasierte Kfz-Zulassung, die zukünftige Rolle des Autohandels und die Nachwuchsgewinnung. Mit Spannung wurde der Vortrag des IT-Experten und Strategieberaters Sascha Lobo unter der Überschrift "Die Generation Z in ihrer hyper neuen Arbeitswelt" erwartet. (rp)

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